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Devisenmarkt

US-Dollar: Ende einer Leitwährung?


DollarDie südeuropäische Schuldenproblematik hat den Euro gegenüber dem Dollar zu Jahresbeginn kräftig unter Druck gesetzt - zumindest vorübergehend. Denn seit dem Sommer hat die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback kräftig aufgewertet.

 

„Wir bleiben Euro-Bären, sehen ihn in drei Monaten bei 1,15 Dollar" oder „Bis Jahresende wird der Euro aufgrund der sich verschlimmernden Schuldenkrise auf 1,15 Dollar fallen". Noch Mitte 2010 trauten zahlreiche Devisenexperten von renommierten Großbanken dem Euro nur wenig zu. Im Gegenteil: Vor allem aufgrund der hohen Staatsschulden einiger Peripheriestaaten der Eurozone erwartete das Gros der Währungsanalysten eine kräftige Abwertung des Euros gegenüber dem Greenback. Nicht von ungefähr hat die Europäische Gemeinschaftswährung in den vergangenen Monaten jedoch ordentlich Boden gut gemacht. Aktuell erhalten Anleger für einen Euro 1,39 US-Dollar. Gegenüber Anfang Juni ist das ein Anstieg um rund 14 Prozent.

 

Euro ist weiterhin anfällig


Sollten jedoch neue Hiobsbotschaften rund um die europäische Schuldenkrise die Runde machen, dürfte dies den Euro erneut kräftig belasten. Dass Anleger sehr sensibel auf schlechte Nachrichten aus den Peripheriestaaten der Währungsunion reagieren, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Nachdem das ganze Ausmaß der griechischen Tragödie ans Tageslicht kam und darüber hinaus die Schuldensituation in Spanien, Portugal, Italien und Irland publik wurde, verlor der Euro von Ende 2009 bis Mitte 2010 rund 20 Prozent an Wert. „Mit einer Eskalation der Krise ist aber in absehbarer Zeit dank der Rettungsmaßnahmen seitens der EU nicht zu rechnen", dämpfen die Währungsexperten der Helaba allzu große Befürchtungen.

 

Die Devisen-Analysten der DekaBank erwarten auf Jahressicht mit einem Kurs von 1,24 Dollar dennoch einen schwächeren Euro. Sollte die Gemeinschaftswährung in einem Jahr tatsächlich auf diesem Niveau notieren, würde dies einmal mehr die Theorie stützen, dass sich Währungen über kurz oder lang ihrem fairen Wert annähern. „Die Kaufkraftparitätentheorie würde sagen, der gleichgewichtige Kurs liegt - zum Ausgleich der unterschiedlichen Inflationsraten - zwischen 1,15 und 1,25 US-Dollar. Ich würde sagen, sogar eher am unteren Rand", so Ansgar Belke, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen.

 

Staatsverschuldung belasten Dollar


Ob der Euro im Vergleich zum Dollar jedoch tatsächlich abwerten wird, darf zumindest bezweifelt werden. Vor allem die ausufernde Staatsverschuldung schwebt wie ein Damoklesschwert über den Greenback. Laut einer Studie des Congressional Budget Office werden die Verbindlichkeiten von etwa 12 Billionen Dollar im vergangenen Jahr auf bis zu 21 Billionen Dollar in zehn Jahren in die Höhe schnellen. Befürchtet wird dabei vor allem, dass die USA bewusst einen schwachen Dollar und eine höhere Inflation in Kauf nehmen, um so den gigantischen Schuldenberg zumindest ein wenig zu reduzieren. Die Sorgen der Anleger sind verständlich. Schließlich haben die USA in ihrer Geschichte schon mehrfach eine hohe Inflation genutzt, um ihre Verbindlichkeiten zu reduzieren; zuletzt zwischen 1976 und 1985.

 

Anders als die Europäische Zentralbank, die ihren Blick ausschließlich auf die Preisstabilität richtet, hat die US-amerikanische Notenbank Fed ein doppeltes Mandat inne. Konkret bedeutet dies, dass sie bei ihren Entscheidungen auch stets die Entwicklung am Arbeitsmarkt berücksichtigt. Und da die US-Arbeitslosenquote im September mit 9,6 Prozent nach wie vor auf hohem Niveau verharrt, ist nicht auszuschließen, dass die Fed - wie bereits schon mehrfach in der Vergangenheit - die Zinsen nur sehr zögerlich anheben wird, sobald die Inflation ansteigt. Dass das Vertrauen in den Dollar dann zusätzlich belastet werden würde, wäre die logische Konsequenz. „Die Vereinigten Staaten sind die größte Schuldnernation in der Geschichte. Der Dollar wird seinen Status als Weltreservewährung verlieren, etwas anderes wird langfristig an seine Stelle treten. Die Frage ist, wie lange die Menschen ihn als Leitwährung akzeptieren werden und ob sie damit irgendwann aufhören, so, wie sie das mit dem britischen Pfund einmal getan haben", lautet eine aktuelle Einschätzung des legendären Investors Jim Rogers.

 

Dass der Dollar recht zeitnah gegenüber dem Euro Boden gut machen wird, glauben derzeit die wenigsten Experten. Zumal die US-Notenbank derzeit mit dem Gedanken spielt, ihre ohnehin schon extrem laxe Geldpolitik durch den Ankauf weiterer US-Staatsanleihen noch stärker auszuweiten. Nicht von ungefähr hat der Euro gegenüber dem Dollar daher allein in den vergangenen vier Wochen rund 6 Prozent an Boden gut gemacht.

 



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