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Hochspannung an den Kapitalmärkten:
Steht der nächste Crash bevor?

 

Hochspannung: Steht der nächste Crash bevor?Die Kapitalmärkte schlagen Kapriolen: Nahezu zeitgleich haben weltweit wichtige Aktienindizes herbe Verluste erlitten; zudem brach der Euro gegenüber Dollar und Schweizer Franken ein, was auf sinkende Risikobereitschaft der Anleger hinweist.

 

Davon profitiert haben jene Anlageklassen, die Investoren als Hort der Sicherheit erachten - deutsche und US-amerikanische Staatsanleihen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass jetzt ein neuer Abschwung am Aktienmarkt beginnt.

 

Selbst bislang eher optimistische Marktbeobachter wie das US-amerikanische Bankhaus Goldman & Sachs gehen nun davon aus, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Rezession in den USA deutlich erhöht hat. In einem jüngst erschienenen Report bezeichnen sie die Möglichkeit eines Rückfalls als „ungewöhnlich hoch". Die Kapitalmärkte scheinen dieses Szenario seit Wochen vorwegzunehmen. So zeigen die Märkte für Staatsanleihen, dass große Investoren diesseits und jenseits des Atlantiks trotz der sehr niedrigen Zinsen bereit sind, massiv staatliche Wertpapiere zu kaufen. Eben dieser Ansturm treibt die Zinsen, die Regierungen zahlen müssen, seit Wochen weiter nach unten.

 

Anleihemärkte haussieren, Zinsen auf Tiefststand

 

Der Bund Future hat seit dem Hoch der Aktienmärkte im April 2010 von 122 auf nun 131 Zähler zugelegt. Dieser Kontrakt, der an der Terminbörse gehandelt wird, verhält sich umgekehrt wie die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen - steigt er, sinken die Zinsen und umgekehrt. Das bedeutet: Wer im Mai eine zehnjährige deutsche Staatsanleihe mit einem Zins von drei Prozent im Jahr gekauft hat, könnte diese nach nur drei Monaten mit einem Kurszuwachs von satten sechs Prozent verkaufen. Dieser Kurszuwachs entsteht, weil die neu ausgegebenen zehnjährigen deutschen Staatsanleihen inzwischen noch niedrigere Zinsen bieten und Anleger bereit sind, für den höheren Kupon der älteren Anleihe einen Aufschlag zu zahlen.


Aktienrallye vor dem Ende?

 

Im Gegenzug stehen die Aktienmärkte unter Druck. Nachdem insbesondere die Börsen in den USA ihr bisheriges Hoch im April erreicht haben, ging es im Mai und Juni kräftig abwärts. Im Juli konnten sich die Aktienmärkte erholen, was die Hoffnung nährte, dass der im März 2009 begonnene Aufwärtstrend weiter Bestand haben würde. Doch spätestens die zweite Augustwoche zeigte mit Macht, dass aktuell die Verkäufer am längeren Hebel sitzen: Zum einen lief die Juli-Rallye an guten Tagen nur mit geringen Umsätzen ab, während das Handelsvolumen an den Tagen mit Kursverlusten anstieg; zum anderen brachen im August etliche Indizes aus einem aussagekräftigen Kursmuster nach unten aus - eine Kombination, die in den meisten Fällen eine größere Abwärtsbewegung einleitete.

 

Euro gerät unter Druck

 

Die Währungsmärkte reflektieren ebenfalls, dass die Risikobereitschaft abnimmt. So kam der Euro gegenüber US-Dollar, Schweizer Franken und japanischem Yen jüngst kräftig unter Druck - ein Muster, das sich bereits im Jahr 2008 beobachten ließ, als die Aktienmärkte weltweit einbrachen und die Kurse der Staatsanleihen eine Rally hinlegten. Hintergrund: Die Zinsen in den USA, Japan und der Schweiz sind extrem niedrig, weshalb viele Investoren sich in Phasen des Optimismus in diesen drei Währungen Geld leihen, um das in besser verzinsten Regionen, etwa der Europäischen Union, anzulegen. Das treibt den Wert des Euro. Wächst der Pessimismus, werden diese Anlagen verkauft und der Euro gerät unter Druck.

Fazit: Die Stimmung an den Märkten droht, ins Negative abzukippen. Die verschiedenen Segmente des Kapitalmarkts - Aktien, Staatanleihen, Währungen - befinden sich in einer Konstellation, die jener im ersten Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise sehr ähnlich ist. Entsprechende Vorsicht bei der Geldanlage ist damit angebracht.

 

Verfasst im August 2010

 



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