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Betongold glänzt nicht mehr.

 

Montag, 10. Mai 2010:

Immobilienfonds: Betongold glänzt nicht mehrOffene Immobilienfonds sind bei Anlegern äußerst beliebt. So stellen Vermögensverwalter, die neue Kunden bekommen, immer wieder fest, dass Depots ohne Betongold eine echte Seltenheit sind! Doch aktuell stehen die Chancen und Risiken für diese Anlageklasse in einem ungünstigen Verhältnis – zumal die Immobilienbestand per Gesetz um zehn Prozent abgewertet werden soll.

 

Bislang wurden offene Immobilienfonds gern bei niedrigen Zinsen gekauft – quasi als Ersatz für die Erträge, die der Geldmarkt nicht bietet. „Doch wer glaubt, ein solcher Fonds bringe durchgängig fünf Prozent Rendite und sei stets liquide, irrt“, sagt Rolf Kazmaier von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Schließlich könne ein Fondsmanager diese Rendite nur erzielen, wenn er das Geld tatsächlich in Gewerbe- oder Büroimmobilien investiert. In diesem Fall aber ist das Kapital gebunden und kann nicht nach Belieben von Anlegern abgezogen werden – zumindest nicht, wenn Tausende ihre Anteile gleichzeitig veräußern möchten. Lässt der Manager die zufließenden Summen jedoch im Geldmarkt, drückt das die Fondsrendite.

 

Unrealistische Erwartungen

 

Diese unvernünftige „Strategie“ der Anleger, die höheren Zinsen eines längerfristigen Investments mit einer kurzfristigen Anlage zu erzielen, hat etliche Immobilienfonds unter Druck gebracht. Die Gekniffenen sind die Anleger selbst, die bei manchen Fonds ihre Anteile nicht mehr zurückgeben konnten. Den Anfang machte 2004 der Deka Immobilienfonds, aus dem in kurzer Zeit 1,8 Milliarden Euro abflossen. Jetzt wiederholt sich die Geschichte: So nehmen aktuell etwa der AXA ImmoSelect und der TMW Immobilien Weltfonds von Pramerica keine Anteile mehr zurück. Beim DEGI International und beim DEGI Europa, die jetzt zu Aberdeen gehören, sind die Schotten ebenso dicht wie beim Morgan Stanley P2 Value. Eine halbe Million Sparer kommen nicht an ihr Geld – insgesamt handelt es sich um neun Milliarden Euro.

 

Kazmaier rät Anlegern, die glauben, dass sich solche Fonds problemlos verkaufen ließen, wenn die Verkaufssperre aufgehoben ist, eine Börsen-Website aufzusuchen und die Wertpapier-Kennnummer des Fonds einzugeben. Vielen dürften dabei die Augen aufgehen, denn an der Börse werden die Fondsanteile oft mit saftigen Abschlägen gehandelt – etwa beim DEGI Europa. Dessen Kurs notiert aktuell bei gut 45,50 Euro; der „eingefrorene“ Nettoinventarwert (NAV), den die DEGI festlegt, hingegen bei gut 62 Euro. Im Klartext: Wer sich heute entschließt, seine Fondsanteile zu veräußern, muss über 26 Prozent Verlust hinnehmen. Der Markt geht also davon aus, dass die Gesellschaft die Bewertung nach unten korrigieren muss. Anleger sollten daher überlegen, ob sie ihre Fondsanteile an der Börse verkaufen, so Experten. Ein Neueinstieg empfehle sich derzeit nicht.

 

Erholung erst ab Ende 2011

 

Druck auf die Fonds kommt auch aus Wirtschaft und Politik. So rechnen Marktbeobachter erst im Jahr 2011 mit einer Erholung am Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien. Das Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) erwartet nach einem Einbruch des Umsatzes mit Büroflächen im vergangenen Jahr um 28 Prozent einen Rückgang um rund vier Prozent.

 

Zudem will das Bundesfinanzministerium bei den Werten der Fondsgebäude, die traditionell von Sachverständigen der Gesellschaften ermittelt werden, generell einen Abschlag von zehn Prozent vornehmen – was letztlich nichts anderes ist als eine teilweise Anpassung an die geänderten Marktverhältnisse. Experten fürchten, dass noch weitere Anleger aus den Fonds flüchten werden. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Die Gefahr besteht, dass viele Sparer ihr Geld abziehen und weitere Fonds eingefroren werden müssen.“ Fazit: Der Glanz des so genannten Betongolds verblasst immer mehr.



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